LAMPENFIEBER - Kann Hypnose helfen?

December 1, 2017

Immer wieder melden sich Klienten bei mir, welche vor einer Rede vor Publikum, bei einem Vortrag in der Firma, vor Wett-kämpfen oder Auftritten von Lampenfieber befallen werden. Dabei äussert sich dieses Lampenfieber teils sehr unverhofft, durch Atemnot, Herzrasen, Druck auf der Brust, Leere im Kopf, usw. Die Anzeichen können vielfälltig sein, in den verschie-densten Kombinationen und sehr individuell auftreten. Nachfolgend erzähle ich von einer Behandlung, welche erst kürzlich stattgefunden hat.

 

Vor einiger Zeit erhielt ich einen Telefonanruf. Eine aufgeregte Frau erklärte mir, dass sie bei einem nächstens stattfindenden Konzert verschiedene Solostellen spielen dürfe. Es zeige sich aber bereits bei den Proben, dass sie kurz vor diesen Stellen, mitten im Spiel «von einem Tiger angesprungen werde», ihr dies den Atem raubt und das Gehirn wie leergefegt sei.

«Können sie dies weg machen?», war ihre schlussendlich finale Frage.

 

Da die Zeit drängte und ich nur noch vereinzelte Termine für eine Erstbehandlung anbieten konnte, nahm sich die Klientin einen halben Tag frei und wir vereinbarten den Termin. Pünktlich konnten wir zur Sitzung starten. Im Vorgespräch schilderte sie mir, wie sich das anfühlt, «wenn sie vom Tiger angesprungen wird». Wir haben auch frühere Auftritte und andere Lebenssituationen besprochen. Sie schilderte mir, dass sich dieses Gefühl in den letzten Jahren immer mehr gesteigert habe, es jetzt aber unerträglich sei. So langsam stellte sich eine Vertrautheit ein und ich konnte mit der Klientin mitfühlen.

 

Die Klientin konnte sich in der anschliessenden Hypnose gehen lassen und in einen wunderbaren Trancezustand sinken, in welchem wir dann wieder in dieses Gefühl des Lampenfiebers hineintauchten. Wie üblich machten wir uns interaktiv auf die Suche nach einer möglichen Ursache für das Lampenfieber. Bei verschiedenen Bildern konnte sie mir ihre Gefühle und Emotionen beschreiben. Wir konnten die Ursache des Lampenfiebers so jedoch nicht finden und so blieb die Möglichkeit, das Lampenfieber zu überdecken.

 

Neben der Situation mit dem Lampenfieber suchten wir 3 verschiedene, für die Klientin einmalig schöne Erlebnisse, wo sie ein unglaublich glückliches, schönes Gefühl hatte. Nun begannen wir im Wechsel, zwischen diesen verschiedenen Bildern und vor allem natürlich auch zwischen den verschiedenen Gefühlen hin und her zu hüpfen. Zwei, drei der wunderbar schönen und positiv emotionalen Bilder, immer bunter und lebendiger ausgeschmückt, und dann wieder das anstehende Solo mit der Nervosität und dem Herzrasen. Diese negative Gefühlssituation aber immer weniger deutlich und immer kürzer angetippt. Und nach 6, 7 Wechseln, wurde das negative Gefühl immer weniger und konnte durch die schönen Gefühle fast gänzlich zugedeckt werden.

 

Am darauffolgenden Wochenende waren wieder Orchesterproben und die Klientin sollte sich diese so vorstellen, wie wenn es das Konzert selber war. Sie bekam auch die Aufgabe, sich so anzuziehen, wie sie es für das Orchester geplant hatte. Natürlich mit der visuellen Vorstellung, dass diese Proben das Konzert seien und unten der ganze Saal mit Zuhörern gefüllt war.

 

Am Montag klingelte mein Telefon schon früh. «Es war sehr viel besser, aber noch nicht weg»! Also kam es zu einem Folgetermin. Da starteten wir in der Trance nochmals mit dem zudeckenden Verfahren. Bereits nach kurzer Zeit kam die Klientin schon nicht mehr in das negative Gefühl. So wechselte ich in ein Verfahren aus der Sporthypnose, wo man den Wettkampf ERFOLGREICH vorerleben soll. Wir sind also das ganze Konzert, vom Eintreffen in der Kirche, bis zum Schlussapplaus der Zuhörer, in allen wesentlichen Schritten, und insbesondere mit all den Solostellen, mehrmals durchgegangen. So lange, bis die Klientin beim Durchgehen der verschiedenen bezeichneten Stellen keine Stopper mehr verspürte oder wahrnahm. Zusätzlich bauten wir noch ein Zeichen im Notenblatt ein, das ihr Selbstbewusstsein stärkte.

 

Am Sonntag war dann das Konzert. Am Abend erhielt ich eine Nachricht:

«Ich habe ja eigentlich nicht daran geglaubt, dass es wirklich funktioniert, aber der Tiger hat mich nicht angesprungen! Ich war wie immer vor dem Konzert leicht nervös und angespannt, jedoch vor den Solostellen blieb ich ruhig und konzentriert! Ich habe Mitte Dezember ein nächstes Konzert. Bleibt der Tiger nun weg?»

 

Durch das zudeckende Hypnoseverfahren, das auf der gefühlsebene vorerlebte erfolgreichen Konzertes und das in Tat und Wahrheit eben auch positive Erlebnis bei den Solostellen, sollte dieses extreme Lampenfieber tatsächlich wegbleiben. Ich habe mit der Klientin vereinbart, dass im Zweifelsfall in einer dritten Sitzung das nächste Konzert auch nochmals hypnotisch vorbereitet werden könnte. Aber auch wenn die Klientin selber immer noch nicht so recht dran glaubt: ich glaube, der Tiger ist vertrieben….

 

 

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